Institut für den Nahen und Mittleren Osten
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Bericht Studienreise nach Kairo

Von Shari’a Mu’ izz ad-Din bis Misr al-Qadima

02.03.2018 – 09.03.2018

organisiert von Dr. Rocio Daga Portillo

 

 exkursion kairo märz 2018

 

Eines steht wohl fest: Kein*e Student*in unseres Institutes hat die ersten zwei Semester des Studiums durchlaufen, ohne mindestens einmal von der al-Azhar-Universität gehört oder den Namen der Kairoer Geniza verinnerlicht zu haben (falls doch, meldet euch bitte umgehend bei Prof. Kaplony und Prof. Vollandt). Doch statt diese zentralen Schauplätze unseres Faches nur als Stichpunkt auf einer Powerpoint-Folie oder als Antwortmöglichkeit in einer Multiple-Choice-Klausur kennenzulernen, hatten nun einige unserer Studierenden die einzigartige Möglichkeit, vor Ort in Kairo persönlich zu erleben. Mit Rocio Daga-Portillio als Organisatorin und Kairo-Expertin erlebte im März eine gemischte Gruppe aus Studierenden der Religionswissenschaft sowie unseres Institutes die ägyptische Hauptstadt zur besten Jahreszeit und bekam Einblicke hinter Türen, die Touristen meiste verschlossen bleiben.


Obligatorisch begann die Exkursion mit einem Besuch der Pyramiden und des Ägyptischen Museums, womit der kurze aber hochinteressante Einblick in das antike Ägypten jedoch bereits endete. Denn direkt im Anschluss begannen wir damit, unser primäres Ziel zu erkunden: das islamische Kairo. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Märkte von Khān al-Khalīlī ging es weiter zu einer musikalischen Darbietung, die an Ḏikr-Riten von Mevlevi-Sufis angelehnt war, jedoch vor allem unterhaltsamen Charakter hatte. Den Zugang zur Vorstellung musste man sich aber zunächst erkämpfen, da es nicht möglich war, vorab Karten zu erwerben. Daher drängte sich eine Traube von hunderten Schaulustigen sich an die Kasse, was leider dazu führte, dass sich nicht die gesamte Gruppe Zugang zum Spektakel verschaffen konnte. Diejenigen, die sich einen Platz erkämpfen konnten, können jedoch davon berichten, wie beeindruckend und geradezu hypnotisierend die Darbietung wirkte.


Die folgenden Tage boten uns die Gelegenheit tiefer in die islamische Geschichte Kairos einzutauchen: Schon zu Beginn bot sich uns von der Zitadelle Saladins aus ein Blick auf all das, was wir die nächsten Tage erleben sollten. Die prächtige al-Azhar-Moschee, Šāriʿ al-Muʿizz li-Dīn Allāh mit den fatimidischen Medresen und Mausoleen und das Grab von Shafii (wenn auch geschlossen) waren nur einige der Ziele, die wir bestaunen durften. Beim Besuch der Moscheen von Sultan Hassan und ar-Rifāʿī, konnten wir mit dem Besuch der Grabstätte von Mohammad Reza Pahlavi sogar noch einen Gruß an die Iranistik senden. Begleitet wurden unsere täglichen Ausflüge einerseits durch einen morgendlichen Sprachkurs, wahlweise in fuṣḥā oder ʿammīya, sowie unserem nur teilweise erwünschten Touristenführer Usama, der seinen Job gelegentlich ein wenig zu ernst nahm.


Ein besonderes Highlight erwartete uns an der al-Azhar-Universität, einem Ort der für Außenstehende meist nicht zu besuchen ist. Hier durften wir nicht nur eine Vorlesung besuchen, sondern auch Studierende der islamischen Wissenschaften an der deutschen Fakultät kennen lernen. Diese überraschten uns nicht nur mit ihren überragenden Deutschkenntnissen, sondern auch mit der Gelassenheit und Offenheit, mit der wir sogar als Außenstehende über religiöse Themen mit ihnen diskutieren konnten. Noch viel wichtiger war es jedoch, dass sie sich unserer Gruppe annahmen und gerade denjenigen von uns, die noch länger in der Stadt blieben, Kairo und die Umgebung zeigen. So wurden Freundschaften geknüpft, die hoffentlich weit über unsere Exkursion hinaus bestehen bleiben. Ein weiterer Höhepunkt bot sich beim Besuch des Shaḏilīya-Ordens, wo wir die Gelegenheit hatten, nun auch eine echte Sufi-samāʿ zu erleben. Unsere Gastgeber nahmen sich dabei viel Zeit, mit uns über das erlebte zu diskutieren und uns die Grundsätze ihrer ṭarīqa näher zu bringen.


Nach sieben ereignisreichen Tagen ging es für die meisten von uns dann schließlich beladen mit Souvenirs und vielen neuen Erfahrungen nach Hause, während ein kleiner Teil der Gruppe ihren Sprachkurs in Kairo noch für einige Wochen fortsetzte. Doch auch für die Heimkehrer sollte das Erlebnis noch nicht beendet sein: Im Kairoer Flughafen lernten wir eine syrische Familie kennen, die sich auf dem Weg nach München befand um mit dem Familienvater wiedervereint zu werden. Diese Reunion mitzuerleben stellte einen rührenden Abschluss für die gemeinsame Erfahrung dar, die uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.


Konstantin Schäffer