Institut für den Nahen und Mittleren Osten
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Gershom Scholem Lecture 2026

Visualisierungen des Göttlichen

09.07.2026 um 18:00 Uhr

Donnerstag, 09.07.2026, 18:00 Uhr

Historisches Kolleg
Kaulbachstraße 15
80539 München

Telefon +49 (0)89 28 66 38 0
Fax +49 (0)89 28 66 38 63

Begrüßung

Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick
Vizepräsidentin für Geistes- und Kulturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität, München

Einführung

Prof. Dr. Ronny Vollandt
Professor für Judaistik, Ludwig-Maximilians-Universität, München

Verleihung des Steinschneider-Preises

Festvortrag

kogman_scholem_2026Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel
Professorin für Jüdische Studien, Universität Münster

Die jüdische Kunst kennt keine anthropomorphe Gottesdarstellung, also keine Darstellung Gottes in menschlicher Gestalt. Wie der jüdische Gelehrte Maimonides im 12. Jahrhundert klar formulierte, gilt bereits die Vorstellung eines anthropomorphen Gottes als schwere Sünde. Vor dem Hintergrund seiner streng rationalistischen Weltanschauung konnte sich Maimonides nicht vorstellen, dass jüdische Gelehrte jemals in solchen anthropomorphen Kategorien über Gott denken würden. Die jüngere Forschung hat jedoch wiederholt gezeigt, dass sich auch in rabbinischen Texten durchaus Ansätze von Anthropomorphismus finden lassen. In der jüdischen Mystik des Mittelalters wird schließlich häufig mit anthropomorphen Vorstellungen gearbeitet, wenn es um Beschreibungen des Göttlichen geht.

Der Vortrag widmet sich der Frage, wie sich diese unterschiedlichen Diskurse auf die Darstellung des Göttlichen in der jüdischen bildenden Kunst ausgewirkt haben. Zunächst wird erläutert, wie das biblische Bilderverbot zu verstehen ist und wie es in der mittelalterlichen Exegese interpretiert wurde. Demnach kann das Göttliche selbst nicht visualisiert werden. Göttliches Eingreifen hingegen wurde in künstlerischen Darstellungen immer wieder anschaulich gemacht: von der besonders in der spätantiken jüdischen Kunst häufig gezeigten Hand Gottes über göttliche Lichtstrahlen, die das Schöpfungswerk bewirken, bis hin zu Umschreibungen des Gottesnamens, die in künstlerische Kompositionen integriert wurden. Auch die im Hohelied allegorisch beschriebene göttliche Liebe fand bildliche Ausdrucksformen. Anhand ausgewählter Beispiele werden diese Konzepte vorgestellt und in ihrem jeweiligen historischen und theologischen Kontext analysiert.

Die Vortragsreihe erinnert an Gershom Scholem, der in der Geschichte der Judaistik in München eine herausragende Rolle spielt. Er wurde 1922 an der LMU promoviert. Nach seiner Emigration nach Palästina wurde er Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem sowie Präsident der Israelischen Akademie der Wissenschaften. Scholem gilt als Wiederentdecker der Kabbala und führte die akademische Erforschung der jüdischen Mystik in die moderne Wissenschaft ein. Mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen zu diesem Thema gilt er heute als einer der bedeutendsten Judaisten deutsch-jüdischer Herkunft.

Die Veranstaltung soll die Münchener Judaistik einem allgemeinen Publikum zugänglich machen und an deren bedeutende Geschichte mit einem Festvortrag erinnern.

Im Anschluss an den Festvortrag lädt die Abteilung für Judaistik zu einem Empfang ein.
U. A. w.g. bis 02.07.2026 an jac@culture.lmu.de


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