Institut für den Nahen und Mittleren Osten
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Dem Anderen schreiben, den Anderen verstehen

Arabische diplomatische Dokumente und ihre Übersetzungen im Kronarchiv Aragons

 

Die Sammlung „Cartas árabes“ im Archivo de la Corona de Aragón in Barcelona ist die größte erhaltene Sammlung von mittelalterlichen arabischen Staatsbriefen und diplomatischen Urkunden. Bei Dokumenten dieser Sammlung handelt es sich vor allem um Briefe andalusischer, maġribinischer und mamlūkischer aus der Zeit von etwa 1250 bis 1430.

Die 1940 von Maximiliano Alarcón y Santón und Ramón García de Linares publiziert Edition (Los documentos árabes diplomáticos del Archivo de la corona de Aragón) wurde bisher vor allem als Quelle für die Geschichte der aragonesischen Beziehungen zu muslimischen Reichen und für die wirtschaftliche Entwicklung des westlichen Mittelmeers im 14. Jahrhundert ausgewertet. Erst in neuerer Zeit wurden sie auch als Zeugnisse des islamischen Völkerrechts gelesen.

In diesem Projekt sollen die Briefe darauf untersucht werden, wie sie zwischen unterschiedlich religiös, sprachlich und kulturell geprägten politischen Eliten Verständigung ermöglichten. Dazu soll ihr erstens ihr diplomatisches Formular auch in Differenz zu Zeugnissen aus dem Mašriq genauer bestimmt werden. Aufgrund des Mangels an Vergleichsdokumenten sind auch literarische Quellen auszuwerten. Besondere Beachtung muss auch der Frage gewidmet werden, ob in den Briefe Formalia so gestaltet wurden, dass sie eine Adressierung an christliche Herrscher erkennbar machen. Zweitens wird die Rezeption der Briefe in Aragon untersucht werden. Anhand von romanischen Übersetzungen soll die aragonesische Übersetzungsmethodik gerade auch in Hinblick auf Verständnisschwierigkeiten und Übersetzungsfehler analysiert werden. Diese kann mit literarischen Übersetzungen aus dem Arabischen oder anderen Urkundenübersetzungen in muslimisch-christlichen Kontakträumen verglichen werden.

Durch die genaue sprachliche Analyse dieser Dokumente lässt sich damit das muslimisch-christliche Zusammenleben sowohl als soziales Faktum im Rahmen des wachsenden politischen Einflusses Aragons in muslimischen Reichen als auch als kulturelles Faktum in der gegenseitigen Kenntnis von der jeweils anderen Sprache und Kultur genauer verstehen.